"Königinnen"

Eine Ausstellung von von Clemens Schergaut im Laufhaus Hase

Eigenwillige, starke Frauen, verschlungene Paare im Lustkampf - in den Bildern von Schergaut werden Fruchtbarkeit, Schmerz und Aggression in der Liebe thematisiert.
Sexualisierte Darstellungen verstärken die Inhalte und verselbstständigen sich zu energetischen Symbolen. Relief, Skulptur und Malerei fließen dabei ineinander über und spielen an der Grenze von Realität und Phantasie.

In "cry baby" bietet eine liebeshungrige Frau ihren Körper von allen Seiten an, den Mund zum Schrei geöffnet. Das Bild "Sicilia" zeigt die übermächtige Medusa mit Schlangen im Haar, die einen ungewöhnlichen Balanceakt auf einem Bein absolviert. Sie präsentiert sich umgeben von Kraftkreisen als eine starke und zugleich einsame Frau. Dagegen verflüssigt sich im Tarotmotiv "Königin der Kelche" der Körper zu Tropfen, während auf ihrem Gesicht ein rätselhaft wissendes Lächeln erscheint.

Der Mann sucht in der Ausstellung die erotische Annäherung im "tanzendes Paar", das leidenschaftliche Sexspiel "im Zelt", das Kindsein in "manchild" oder den Traum der totalen Vereinigung im Bild "Liebende", in dem sich beide Körper nicht mehr voneinander unterscheiden lassen.Die Karikatur "John Wayne" interpretiert der Künstler so:

"John Wayne läuft in die falsche Richtung
mit seinem sinnlosen Hut
und seinem sinnlosen Halstuch.
Er hat Fährte aufgenommen,
natürlich eine sinnlose Fährte.
Er läuft eigentlich davon
vor dem Wesen
das wie ein Geist
vorsichtig wie ein Schatten
es wagt
ihn fast zu berühren.
Dieser Schatten ist weiblich
und der kleine John hat Angst."

Nach C.G. Jung ist die Königin ein Archetyp und zählt zu den Abkömmlingen der Anima, des Weiblichen in der Vorstellung des Mannes; sie tritt als Jungfrau Maria oder weltzugewandte Hure auf.
In den "Königinnen" von Clemens Schergaut spiegeln dessen vielschichtige, teils widersprüchliche Gefühle gegenüber Frauen, denen er respektvoll eine Krone aufsetzt..

Clemens Schergaut wurde 1959 in Ostberlin geboren.

"Mein Vater war ein Waldhorn
bis zum 15. Jahr im Kinderwagen
beim Militär Säurereste von Ventilen gekratzt
grüne Bettwäsche, Verzweiflungsschreie der Psychiater
bis zum 29. Lebensjahr im Gefängnis .... "


1983 ging er mit Texten und Bildern zum Thema "Leben in der Diktatur, Sex als Freiraum" an die Öffentlichkeit. Als Bausoldat im Chemiewerk Nünchritz fingierte er 1984 einen Selbstmordversuch und wurde aus der NVA entlassen. Er gründete eine Künstlergruppe in der Dolziger Straße, mit der er Aktionen wie die Verhüllung der Marx-Engels-Skulptur am Alexanderplatz unternahm.
1986 stellte er einen Ausreiseantrag, der abgelehnt wurde und 1988 zu einem Fluchtversuch von Ost-nach Westdeutschland führte. Schergaut scheiterte, wurde inhaftiert und nach halbjährigem Gefängnisaufenthalt in den Westen "verkauft".
Hier besuchte er die Kunstschule "die Etage" in Berlin-Kreuzberg und studierte Kunstpädagogik an der UdK in Berlin. Ab 1997 erweiterte er sein Werk mit Skulpturen und eignete sich verschiedene künstlerische Techniken an; absolvierte Praktika in einer Steinschleiferei in Idar-Oberstein, erlernte Abformtechniken in der Gipsformerei Berlin-Chalottenburg und Seminare zur Feuersteinbearbeitung in Schleswig-Holstein, Schweden und Lynchburg (Virginia).
In seinen Skulpturen verwendete er Polyurethan und archaische Stoffe, unter anderem Tierteile und Feuerstein; es entstanden biomorphe Hüllen mit ambivalentem Kern.
Seit 1993 können die Werke von Clemens Schergaut in Berliner Galerien betrachtet werden. 2002 gründete er die Produzentengalerien "artcluster" und "borderliner" (2006), realisierte multimediale Ausstellungen, u.a. das Filmprojekt "carpaintingkiller" und agierte als Performer.

Webseite: www.schergaut-art.com
mail: gutergeschmack@web.de
fon: 0179 - 48 85 325